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Nachhaltig Leben und Einkaufen

Folge 1: Können wir uns aus unserer Region ernähren?

Blogbeitrag für LABL.Frankfurt

Diese Frage bekommen wir als Verein und Bürger AG immer wieder gestellt. Sie ist auch einer der Gründe warum es die Bürger AG überhaupt gibt. Wir wollen dabei helfen, dass uns mehr Biobauern in der Region ernähren können. Würde man die Äcker und die anbaubaren Flächen in unserer Region (sagen wir mal in einem Umkreis von 50km) zusammennehmen, dann müssten hier nur noch Produkte für die direkte Ernährung der Bevölkerung angebaut werden. Wir wissen, dass jeder Mensch im Durchschnitt 2.000qm Anbaufläche benötigt, um satt zu werden. Dies bedeutet, dass rund um Frankfurt der Anbau von Mais, Rüben und Raps (außer für die Ernährung der Tiere) zurückgedrängt werden müsste. Diese Produkte nutzen uns erst einmal nicht bei der direkten Ernährung. Stattdessen brauchen wir Gemüse, Kartoffeln, Getreide wie Weizen und Roggen, das direkt in Bäckereien der Region verarbeitet wird, Obst, Pilze, Kräuter, Eier und Fleisch. Die Frage nach biologischer Herstellung der Erzeugnisse ist zunächst zweitrangig. Die Lebensmittel sollten nicht gespritzt oder anderweitig verunreinigt oder mit Schadstoffen belastet sein und den Tieren sollten keine Qualen zugefügt werden.

D.h. für unsere Ernährung kommen die regionalen Biobauern, aber auch konventionelle bäuerliche Betriebe in Betracht. Auch können wir hier in der Region Produkte anbauen, die einem nicht sofort in den Sinn kommen. So wird in verschiedenen Biobetrieben unserer Region mit gutem Erfolg bereits Bio-Soja angebaut. Dieser wird zur Tierernährung, aber auch zur Herstellung von Bio-Tofu verwendet. Ein anderer Biohof baut Reis aus Dinkel an und verkauft diesen bereits in verschiedenen angesagten Restaurants der Stadt.
Aber was steht der Erzeugung unserer regionalen Lebensmittel nun im Wege und warum finden wir nicht mehr Erzeugnisse aus unserer Region in den Läden vor? Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen beispielsweise in der oben beschriebenen Tatsache, dass meist nicht für den regionalen Verbrauch angebaut wird. Weiter haben die großen Lebensmittelketten und Discounter nicht die Struktur, um wirklich regional einzukaufen. Denn dies würde bedeuten, dass man Gewinnmargen abgibt, z.B. an die bäuerlichen Familien, um diesen ein halbwegs vernünftiges Auskommen zu sichern.

Dies heißt aber auch für uns Verbraucher*innen, dass wir unsere Kaufgewohnheiten verändern und die Produkte auf Erzeugermärkten (z.B. Konstablerwache), in Bio- und Hofläden, oder über Biokisten direkt beim Bauern kaufen.

Ein weiterer Grund für das geringe Angebot von regional produzierten Lebensmitteln ist auch, dass noch immer viele Bauern den Ansagen ihres Verbandes folgen und glauben, sie müssten Produkte für den Weltmarkt produzieren, da diese üppig subventioniert werden. Nebenbei erhöhen unsere Agrarexporte immer weiter den Zustrom von Flüchtlingen. Was bleibt Bauern in Afrika übrig, die ihre Produkte nicht mehr vor Ort absetzten können, weil sie im eigenen Land von Produkten aus Europa und anderen Ländern überschwemmt werden, als das Land zu verlassen und dann hier als Tomatenpflücker zum Billiglohn zu arbeiten.

Ein ganz anderer Grund auf die Frage, ob wir uns denn nicht aus der Region ernähren können, verbirgt sich hinter dem Wachstum der Städte. Durch den Bau von immer neuen Umgehungsstraßen, Gewerbe- und Wohngebieten außerhalb der Ortskerne werden große Flächen versiegelt und sind damit unwiederbringlich für die Lebensmittelerzeugung verloren. Hiermit riskieren wir die regionale Ernährung nachfolgender Generationen. Aber diesem Thema widme ich mich in einem der nächsten Texte.

Eine Regionale Ernährung braucht auch eine regionale Infrastruktur!

Regionalität ist auch ein Thema, das sich auf unsere Wirtschaftskreisläufe oder den Erhalt von alten, nachhaltigen Handwerkstechniken auswirkt. Doch genau hier beginnen die Herausforderungen.

Aufgrund von vielen Gesetzen und Richtlinien (z.B. Hygienerichtlinien) wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Handwerksbetriebe geschlossen. Dies war ein Fehler, denn heute fehlt es dringend an Bio-Bäckereien, -Schlachtstädten und -Metzgern, aber auch an Mühlen und vor allem einer weiteren Molkerei in Hessen.

Gerade für Bio Erzeuger, aber auch für umstellungswillige Höfe ist dies eine große Herausforderung. Alleine schon die richtige Forderung nach mehr Tierwohl spricht längeren Wegen zur Schlachtstäte entgegen. Je näher zum Hof ein Tier geschlachtet und auch verarbeitet wird, desto besser.

Ein weiteres Problem, das immer wieder auftaucht ist der weite Weg zu Bio-Mühlen. Aber am dringlichsten wohl der Ausbau der Molkereikapazitäten im Bio Segment. Konventionelle Milchbauern, die im Grunde gerne umstellen wollen, können dies nicht, weil die bestehenden Bio-Molkereien keine weitere Milch annehmen können. Eine Lösung wäre neben der Neugründung, der Kapazitätsausbau bestehender Bio-Molkereien, oder die Errichtung von Bio Linien in konventionellen Molkereien.

Bei all diesen Herausforderungen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Land, den Behörden und Investoren dringlich, um die notwendigen Kapazitäten zu schaffen. Gelingt dies nicht, wird es schwierig, mehr Menschen in der Region mit gesunder Bio-Ware zu versorgen.

Weber Networking GmbH Kommunikations-, Strategie- und Finanzierungsberatung in der nachhaltigkeitssensiblen Ökonomie