2015-01-17 15.35.46

Standpunkt zu: „Wir haben es satt“

Ein Tag in Berlin – oder, warum man eine Reise tut

 Am Samstag den 17. Januar fand die mittlerweile schon traditionell zu nennende Demonstration, „wir haben es satt“ in Berlin statt. Auch ich bin als Bürger, Vorstand der Bürger AG und Mitarbeiter meines Kunden Phönix Naturkost hingefahren, um mit zu demonstrieren und einen Teil unserer Bauernschaft bei ihren Anliegen zu unterstützen. Die Anliegen sind eine faire, bäuerliche Landwirtschaft, den Schutz und Erhalt gesunder Böden, mehr Tierwohl und mehr Unterstützung der Politik bei der Erhaltung unserer Umwelt. Im Grunde, Forderungen, die für jeden selbstverständlich sein sollten.

Mit 90 Treckern und anderen Fahrzeugen sind die Bauern aus dem ganzen Bundesgebiet angereist, zum Teil tagelang unterwegs, ein Bauer aus dem hessischen ist den ganzen Weg nach Berlin sogar gelaufen, um auf die Demo hinzuweisen und den Menschen längs des Weges zu erklären, warum sie dort, vor dem Regierungssitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Anliegen vorbringen. Es ging auch um TTIPP und CETA, zwei Abkommen, die von vielen Teilnehmern dieser Kundgebung nicht zu Unrecht als BÖSE bezeichnet wurden.

Nun kann der geneigte Leser fragen, was dieser Bericht soll und was der mit uns und mit unseren Unternehmen zu tun hat. Ich kann darauf nur erwidern, sehr viel um nicht zu sagen, ALLES. Denn hier haben in etwa 50.000 Menschen stellvertretend für viele Millionen in ganz Europa und der Welt demonstriert, dass sie genug haben von Industrieller Massentierhaltung (mit millionenfachen Leid für die Kreatur Tier), von einer geldgetriebenen Ausbeutung der Schöpfung (weniger religiös, der NATUR) von geheimen Verhandlungen der Industrie und der Politik, mit dem Ergebnis, dass einige Konzerne noch ungenierter ihrer verachtenswerten Geschäftspolitik nachgehen können und dies auf dem Rücken der Menschen und der Natur. Wir sollten hier nicht vergessen, dass ein Staat, der in den künftig geplanten Schiedsgerichten gegen ein Konzern verliert, dieses Geld immer wieder bei seinen Bürgern holen muss ( in diesem Zusammenhang ist mir auch keineswegs zu vermitteln, warum Politiker, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind, solchen Ansinnen der Unternehmen nachkommen).

Wer mich nun für diese Zeilen kritisieren möchte, kann dies tun, ist der offene Diskurs doch eines der Grundpfeiler westlicher Demokratien. Aber er sollte auch darüber nachdenken, ob die Menschen die sich diesen Samstag in Berlin versammelt haben, nur eine Minderheit von Ökospinnern sind, oder ob nicht gerade diese Menschen sich mehr für unsere regionale Wirtschaft stark machen, Arbeitsplätze erhalten und der Klimaveränderung mit guten Vorschlägen begegnen, als die vielen (berufenen) Politiker und Wirtschaftsführer in den Parlamenten und Verbänden.

Es war ein langer und anstrengender Tag und ich komme zum Schluss, es war wichtig und richtig dabei zu sein. Im nächsten Jahr werde ich mich dafür stark machen, dass viele Menschen mehr aus Frankfurt mitkommen und dadurch den Bauern den Rücken  stärken, den Rücken den diese unbeachtet von uns, für den Verbraucher ständig krumm machen müssen.