DCF 1.0

Um der heimischen Biobranche weiteren Schub zu verleihen und den Bauern die langfristige Existenz zu sichern, benötigen wir ein verändertes Wirtschaftssystem !

Lebensmittelpreise im konventionellen Handel (erst Recht beim Discounter) sagen heute die Unwahrheit zu ihren wirklichen Kosten. Müssten die Verbraucher die tatsächlichen Kosten tragen, die die Produkte bei der Herstellung verursachen, so würden sie scharenweise auf Bioprodukte aus der Region umsteigen. Selbst dann, wenn sie eigentlich nicht an die bessere Qualität die Biolebensmittel aufweisen (und die gerade erst in mehreren Studien nachgewiesen wurden) glauben, einfach deshalb, weil die meisten Verbraucher günstig einkaufen möchten.

Doch wie ist das zu erreichen? Der wichtigste Aspekt hierbei ist „Transparenz“ und „Glaubwürdigkeit“. Beides sind Garanten für eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen Verbrauchern und Bio Bauern, aber auch der oftmals zwischengeschalteten Stufen wie dem Großhandel und Einzelhandel. Zudem sind sie wichtige Voraussetzungen für die Umstellung der Ernährungswirtschaft. Das Problem hierbei ist, dass unser Wirtschafssystem nur auf den ökonomischen Erfolg ausgerichtet ist. Langfristig ist dieses Wirtschaftssystem aber nicht überlebensfähig, da es seine Ressourcen aufbraucht. Und das nicht nur in der Lebensmittel-/ bzw. Landwirtschaft.

Dieser rein ökonomischen Ausrichtung müssen wir weitere Werte zufügen, es muss um die Dimensionen Ökologie und Soziales erweitert werden. Und Vorbild ist die Ernährungswirtschaft, denn keine Branche kommuniziert mehr mit den natürlichen SystemenWasser, Boden, Biodiversität und Klima, wie die Landwirtschaft.

Der Forderung unser Wirtschaftssystem umzustellen, müssen sich alle die anschließen, die auch in Zukunft hier gesund und in Arbeit leben wollen. Es sind politische Veränderungen gefragt, die sich mit den ökonomischen Rahmenbedingungen befassen. Nachhaltige Maßstäbe müssen die Vorlage bilden, um ein Wirtschaften unter Einbeziehung ökologischer und sozialer Werte umzusetzen. Zentral hierbei ist es, die Externalisierung von Kosten die heute unsere Umwelt schädigen, sich aber nicht auf die Preise niederschlagen, öffentlich zu machen. Wenn die Kosten für die Vergiftung der Natur, die Vernichtung an Biodiversität, und die Klimaerwärmung, auf die entstehenden Produkte aufgeschlagen werden, statt sie durch den Steuerzahler bezahlen zu lassen, würden Verbraucher sehr schnell zu Produkten und Ernährungsgewohnheiten wechseln, die uns und der Umwelt nicht schaden.

Wenn wir zu einer Internalisierung der Kosten kämen, wären Bioprodukte nicht nur preisgünstiger als konventionelle Waren, sie würden auch weitere, nachfolgende Kosten – z.B. die zur Volksgesundheit – vermindern und so nachhaltigen Wohlstand schaffen.

Wir brauchen (endlich wieder) eine soziale Marktwirtschaft, die zudem die Ökologie in den Mittelpunkt stellt und die Interessen der BürgerInnen und VerbraucherInnen höher bewertet, als die von Lobbyisten und Konzernen. Damit dies gelingt muß eine nachhaltige Wirtschaftsweise weltweit eingefordert werden. Und die Länder des reichen Nordens müssen hierbei Vorbild sein.

Gelingt dies, wird es sich auf die Nachfrage nach guten Lebensmitteln auswirken und den Bauern in allen Ländern regionale Nachfrage beschweren.

Joerg Weber